Kategorie: Persönliche Prozesse

  • Der Friede sei mit dir

    Der Friede sei mit dir

    Zusammenfassung aus einer Focusing Sitzung, bei der mich meine Kollegin Maria Merk in meiner Rolle als Klient begleitet hat.

    Ich merke in mir eine diffuse Anspannung oder Aufgeregtheit.

    Der Auslöser ist etwas sehr Schönes, Neues in meinem Leben.

    Es ist aufregend, irgendwie möchte alles in mir hüpfen. Ich erinnere mich an die Qualität aus einem Archetypen-Playfight*, bei dem ich sowohl fröhliche Überschwänglichkeit ohne Gefühl für das Außen, als auch deren ausgereifte Version im Königssein verkörpern durfte. Die Überfröhlichkeit finde ich gerade in meinem Herzen wieder, etwas ganz verspieltes, freudiges. Die Königsenergie spüre ich in meinem Wurzelchakra, das sich extrem stabil, geerdet und sicher anfühlt. Und doch, zugleich verkrampft sich etwas; als wäre mein Körper am Unterleib abgeschnitten. Irgendetwas hat enormen Druck und ein zwanghaftes Müssen.

    Meine Begleiterin und ich wenden uns den Teilen nacheinander zu.

    Beiden für sich geht es sehr gut. Wenn ich die beiden Teile so gegenüberstelle, erkläre ich, wie sie beide voneinander lernen und dadurch wachsen können. „Das war jetzt ein schöner Vortrag“. Stimmt, irgendetwas fehlt. Die Kommunikation zwischen den beiden passt nicht. Ich bemerke eine Traurigkeit. Darüber, wie separat meine Lebendigkeit und meine Verwurzelung in meinem eigenen Körper, meiner Körperlichkeit, meiner Sexualität, voneinander aufgewachsen sind. Wie alleine und irgendwo auch hilflos mein Kind ins Erwachsensein geschlittert ist; dabei, zu lernen, mit sich in Kontakt zu sein, in einen für mich und andere gesunden Bezug und Umgang zu meinem ganzen Körper liebevoll statt tabuvoll hineinzuerwach(s)en.

    Heute erkenne ich, was mir gut tut und was ich brauche.

    Irgendwas beruhigt sich gerade, weitet sich aus. Ich setze meine Traurigkeit, meine Körperlichkeit und meine Verspieltheit zueinander. In der Mitte streckt die Traurigkeit ihre Arme zu beiden Seiten aus und stellt so eine Verbindung her, die ich wahnsinnig stark spüren kann. Vom Schoß über meinen Bauch zum Herz fühle ich in meiner Körpermitte einen offenen, weiten und warmen Kanal. Ich finde mich am Altar der Stadtpfarrkirche meiner Geburtsstadt, Mariä Himmelfahrt**, wieder. „Da fließt was?“ Ja, wir sehen einander, als erfüllt sich eine Sehnsucht nach Austausch und Empathie füreinander. Der Friede sei mit Dir. Sagt die Traurigkeit zu meinen beiden Teilen und irgendwie zugleich zu meinem ganzen Ich. Der Friede sei mit Dir. Sagen sich meine beiden Seiten und irgendwie auch mein ganzes Ich. Jetzt kann ich meinen eigenen Friedensgruß für mich lange und ausführlich genießen***. Mit einer tiefen inneren Verneigung voreinander bedanken wir – meine Traurigkeit, meine Körperlichkeit, meine Verspieltheit und Ich, alles ist irgendwie eins – uns für meinen hinzugewonnenen inneren Platz des Friedens, der Weite und der Fülle, an dem ich zu jeder Zeit für neue Begegnungen mit mir Selbst willkommen bin.

    *Playfight ist ein sehr achtsames und spielerisches Duell, bei dem für Erkenntnisgewinn gezielt bestimmte Rollen eingesetzt werden können. Am Ende wird gemeinsam reflektiert.
    ** Kirche steht in meiner Entwicklung sinnbildlich für die familiär als auch gesellschaftlich geprägte Abwertung und Tabuisierung von Sexualität bzw. Körperlichkeit allgemein
    *** Der Friedensgruß war für mich in Gottesdiensten mitunter der schönste Moment und ging mir meistens zu schnell. Für mich ist es ein Geschenk, Menschen tief in die Augen zu sehen, die Hand zu reichen und für einen Augenblick so etwas unendlich Großes zu teilen. Namasté.

    Teilen mit:
  • Thema X

    Thema X

    Zusammenfassung eines persönlichen Focusingerlebnisses von mir. Begleitet hat mich meine Kollegin Maria Merk.

    Eine der vielen schönen Sachen an Focusing ist, dass für das Arbeiten an bzw. mit einem Thema oder einer Frage der Inhalt nur bedingt relevant ist.

    So können wir inhaltlich ein „X“ setzen, und genauso mit dem, was uns beschäftigt, arbeiten und weiterkommen.

    Für dieses Thema setze ich ein X, um darin auftauchende Personen oder Kontext zu anonymisieren. Es geht also um „X“. X ist mir neulich besonders stark aufgefallen, als ich ein damit assoziiertes Lied hörte und dabei intensive Gefühle spürte. Auf der einen Seite ist da etwas unwahrscheinlich Schönes. Gleichzeitig scheint, wie bei einer Gratwanderung, auf der anderen Seite der Sturz ziemlich steil bergab hinein in Schmerz. Meine Bereitschaft ist da, nun X meine Aufmerksamkeit zu schenken. Vor ein paar Stunden habe ich bewusst nochmal das Lied angehört.

    Im Jetzt ziehe ich mir diesen Moment etwas her

    Ich gucke aus dem Fenster und bemerke wieder X – mit seiner gesamten Schönheit und gleichzeitig dieser enormen Wucht an Traurigkeit! Für jetzt halte ich den starken Schmerz aus. Ich weiß, ich bin in Begleitung und Sicherheit. Während sich aus meiner Bauchgegend in innerlichen Krämpfen Schicht für Schicht Wundkruste abträgt und in Tränenform herausfließen kann, nehme ich im Hintergrund meditativ einladende Worte wahr, die beruhigend auf mich wirken und sich behutsam wiederholen. „Sei einfach bei dir … bleib in Kontakt mit dem was ist … ich bin da … nimm einfach wahr“.

    X möchte Raum und gesehen sein.

    Gesehen … als es etwas abebbt und schließlich ruhiger ist, ist etwas neu. Innerlich schaue ich mich um. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich mich. Das ist neu! Ich sehe mich. Ich sehe mich auch ! Der Satz ist total stimmig. Ich sehe mich auch. Gänsehaut und warmer Rückenschauer. Ich sehe mich auch. Jetzt breitet sich Wärme und Erleichterung aus. Ich beginne mich zu regen und strecken. Ich sehe mich auch. Allmählich öffne ich meine Augen und blicke diesmal tatsächlich aus dem Fenster direkt vor mir. Ich stelle mir vor wie draußen im Grünen neben meinem X und allem was dazu gehört auch ich bin. Ich kann uns zuschmunzeln. Ich sehe mich auch.

    Was ich erlebe lasse ich so stehen und wirken.

    Ich merke bereits, was sich verändert hat: einerseits habe ich nun einen für mich gesünderen Abstand und vor allem Umgang gegenüber X. Andererseits hatte X vorher ganz offensichtlich eine Seite gefehlt, die jetzt vollständiger ist: mich einzubeziehen und zu sehen, wie es mir geht. Letzteres gibt nicht nur der Vergangenheit eine neue, heilende Bedeutung sondern hilft mir vor allem für zukünftige Situationen die schmerzhafte Seite von X für alle Beteiligte überflüssig zu machen. Meinen Anker als Erinnerung hat sich mein System unvergesslich integriert. Ich sehe mich auch. Das wirkt.

    Teilen mit:
  • Mein Diamant in mir

    Mein Diamant in mir

    Zusammenfassung aus einem eigenen Prozesserlebnis in meiner Rolle als Klient, begleitet von meiner Kollegin Maria Merk.

    Etwas in meiner Herzgegend zwickt, fühlt sich eingeklemmt. Auslöser ist eine brandaktuelle Situation, von der ich über mich selbst unzufrieden bin, wie es mir darin erging, darüber, welche innere Haltung ich selbst angenommen hatte, oder ich angenommen wurde, es scheint einfach zu passieren. Bin ich das? Wie ich sein und mich erleben möchte spüre ich sehr klar. Weit, offen, herzlich, neugierig, einladend. Diese Weite, diese Freiheit kann ich spüren – sehr deutlich sogar. Ja, jetzt grade bin ichs. Es ist super schön. Ich genieße es. So möchte ich mich erleben, und von hier aus agieren.

    Aus diesem Zustand, dem innerlichen Freiraum, wende ich mich nochmal der Situation zu.

    Was passiert da in mir? Zunächst einmal kann ich bemerken, dass meine Atmung flacher und irgendwie stockender wird. Irgendwas ist da abgeschnitten, ich komm noch nicht so ganz ran. Ja, ich fühle mich in der Enge. Da ist es angespannt, unangenehm. Da ist etwas im Raum, als müsste ich für jemand etwas erfüllen und dabei verliere ich die Aufmerksamkeit für mich selbst. Zack – wie ein Ballon der sich im Raum aufbläst und ich in der Ecke gedrängt stehe. Ich erkenne den Zusammenhang aus Situationen in meiner Kindheit sehr klar und empfinde Mitgefühl für wie es mir damit erging, komplett vorwurfsfrei in jeglicher Richtung. Was ich bemerke ist, dass es für mich nicht stimmig ist, mit dem Ballon zu interagieren – zum Beispiel mir mit einer Nadel wieder Platz zu verschaffen – denn es ist ja nicht meiner. Für mich ist es dagegen stimmig, einfach die Wände umzustoßen und in meiner Richtung in die Freiheit zu gehen. Damit bin ich nämlich erstmal aus der Situation raus und das fühlt sich gut an. Doch irgendwie, sticht es da in der Herzgegend. Ich habe die Situation scheinbar in meiner Brust mitgenommen und auf eine Weise reproduziert: etwas ist dort eingeklemmt. Etwas verdichtet sich in meinem Herz. Es ist, wie ein Diamant! Ich finde einen Diamanten in mir. Ich schenke ihm zunächst einfach mal meine Aufmerksamkeit. Schon bald stelle mir vor, wie schön es ist, ihn nach außen zu zeigen, ihn am Handgelenk für mich und andere sichtbar zu tragen. Die Vorstellung ist schön. Gleichzeitig – es sticht immer noch in der Herzgegend. Mein Diamant ist noch drinnen. Möchte er denn heraus?

    Was möchte mein Erleben?

    Ich frag ihn jetzt was er denn eigentlich möchte. Sehr deutlich genießt er meine Aufmerksamkeit. Je mehr mein Diamant mich auf etwas hinweisen ja fast schon muss, desto mehr macht er sich bemerkbar. Etwas ist mir heilig. Er möchte mir zeigen, was für mich gerade das Wesentliche ist. Er sagt, worauf kommt es nun wirklich an, Martin? In mir breitet sich ein Gefühl von Weite und Freiheit aus. Es ist bereits sehr schön und wir könnten es dabei belassen. Meine aufmerksame Zuhörerin bemerkt, dass tatsächlich irgendwas noch nicht ganz abgeschlossen ist. Ja, es braucht auch Zeit. Ich bekomme die Einladung, nochmal dabei zu verweilen. Von ganz natürlich wandere ich mit meinem nun wie erleuchtenden Diamant in so eine Situation von früher. Erstaunlicherweise finde ich nun Platz, auch mit dem Ballon, der sich beginnt zu verkleinern, ganz ohne zutun. Wir beide, der Ballon und ich, setzen uns auf Augenhöhe zu Tisch. Mein Diamant erstrahlt aus vollem Licht. Es ist ganz friedlich.

    Ich schlage die Brücke von früher zur aktuellen Situation

    Am alten Ort ist mein Diamant wie ein Erinnerungslicht, das ich für mich setze. Ich verankere meinen Diamanten dort am Tisch, der für mich hell aufleuchtet, sobald ich mich ihm nähere, zugleich für andere unsichtbar. Er spürt mich und erkennt mich, sein zugehöriges Wesen. Diesen Ort von früher kann ich jetzt gut loslassen und wende mich dem Weckruf der aktuellen Situation zu.

    Am neuen Ort wirkt mein Diamant für mich als innerliche Wiederkalibrierung. Ich platziere ihn innerlich in der Mitte meines Zimmers. Auch hier leuchtet er umso stärker, je näher ich da bin. Er erkennt mich. Jetzt gerade erkenne ich erkenne mich. Ich kann mich zu mir setzen, zu meinem Wesentlichen.

    Ich fühle Weite, Leichtigkeit und Freiheit – so zu sein wie ich wirklich möchte.

    Je näher ich an mir selbst, dem was mich ausmacht, und dem, der ich sein möchte, dran bin, desto mehr erstrahle ich.

    So abstrakt es klingen mag, am nächsten Morgen war ich für mich mit der auslösenden Situation innerlich komplett entspannt und konnte die Thematik mit meiner mir wichtigen Weite, Neugier und Herzlichkeit ansprechen. Ich fand für mich sehr leicht kreative Lösungen, die alles im für mich zuvor anstrengenden Gespräch Gesagte mit einbezogen und mir gleichzeitig erfüllten, was mir wichtig war. Das Wiederaufgreifen des Themas ergab sich ganz organisch und mein Lösungsvorschlag kam an.

    Teilweise nun bewusst, teilweise weil es sich einfach intuitiv so richtig anfühlte, habe ich meine Zimmermitte regelmäßig mit einer Kerze erstrahlen lassen, die mich, einfach wenn mir danach war, begleitet und genährt hat.

    Teilen mit:
  • So geil

    So geil

    „Es ist wie es ist – sagt die Liebe“. Diesen Satz habe ich soeben von meiner Focusing-Tandempartnerin Maria Merk aufgeschnappt. Wir gehen über zu meiner Rolle als Klient, in der ich begleitet werde.

    Resonanz macht sich bemerkbar

    In mir breitet sich eine wärmende Weite ins Unendliche aus, als erfüllt sich gerade eine tiefe Sehnsucht. Jetzt, wo ich eine natürliche Freiheit fühle, überkommt mich auf einmal eine sehr heftige Traurigkeit! In einem Gespräch vom Vorabend ist mir klar geworden, wie ich mich zeitlich übernehme und da wohl einfach reingeschlittert bin. MAL WIEDER. Martin, zum 495tausendsten Mal, du kannst doch, so geht‘s einfach nicht, das war von vornherein MOMENT MAL. Im Nachhinein super logisch gerade weil es so oft auftritt, bemerke ich im Jetzt einen süßlichen Schmerz, der es noch gar nicht ganz glauben kann, gesehen zu sein. Zählt nicht genau das zu dem, was mich auszeichnet?

    Ich erkenne und nehme mich an

    Es gehört auch zu mir, dass ich mich mal übernehme. Und es ist ganz wunderbar – all die Möglichkeiten, Begegnungen und Erlebnisse, die ich mir daraus schenke. Das Entscheidende ist, wie ich mit mir umgehe, auch wenns mal kurz viel ist. Auch wenn ich es mal nicht schaffe, so zu sein, wie ich möchte, verurteile ich mich nicht dafür. Es ist so wie es ist – so wie ich bin. „Du darfst so sein“. Mhm. Ne, genau genommen eher es ist geil so wie ich bin. Wow, wie kraftvoll. Diesmal freue ich mich schon richtig, meinen guten Vorsatz fürs nächste Jahr einzuhalten. In diesem Sinne, demütig: bleiben wir alle so geil wie wir sind! Jede*r von uns ist einzigartig. Was für eine Fülle. Von Herzen eine schöne Zeit.

    Teilen mit:
  • Zeit, zu gestalten

    Zeit, zu gestalten

    Zusammenfassung aus meiner heutigen Focusing Sitzung begleitet von Maria Merk.

    Heute läuft mein Prozess zäh, beim Versuch zu Spüren bleibe ich auf Brusthöhe stecken. Ich merke große Leere, Nichts.

    Wie ist dieses Nichts?

    Es ist wie hinter mir und in mir, weiß. Vor mir ist schwarz, erdig, darin sind farbige Schichten enthalten, doch sie sind verkrustet. Da ich selbst so weiß, nichts, bin, falle ich auf dem Erdigen stark auf, fühle mich isoliert. Ich sehe mich als Moomin, wie ich mich der Alles-Da-Schicht zuwende und beginne, zu gestalten. Wir beenden nach 1,5h die Session an der Stelle, diesmal ohne ganzheitlich-erlebt-gefühlte Veränderung, dafür mit diesem Fünkchen Neuem, meinem Moomin-Bild im Kopf.

    Es arbeitet noch weiter nach in mir

    Ich finde meinen Schlüssel in Geduld und Zuwendung zu mir selbst, mich gestalten lassen, liebevoll. Mir Zeit nehmen. Das, was ich jetzt gerade tue: mein Bild malen. Dabei spüre ich die Auflösung, Kribbelwellen durch meinen Körper. Echte Zuwendung und Gestaltung von und für mich selbst. Aus meiner Musikbox höre ich „May roots grow deeply in this garden of life“.

    Teilen mit:
  • Ein Teil in mir

    Ein Teil in mir

    Zusammenfassung meiner eigenen Prozesserlebnisse einer Focusing – Sitzung begleitet von meiner Kollegin Maria Merk.

    Es gibt einen Teil in mir, der würde gerne sterben. Jetzt nehme ich mir Zeit, ihn mir anzusehen. Ich bemerke, wie es bereits gut tut, ihn anzuerkennen, dass er da ist.

    Der Teil in mir ist genau so willkommen, wie er ist.

    Ich weiß, er ist nicht mein ganzes Ich und gleichzeitig bin ich mir sicher, dass er mir etwas sehr sehr Wichtiges mitzuteilen hat, denn seine Emotion kann ziemlich stark sein. Indem ich meine Aufmerksamkeit nach innen richte und in Kontakt mit mir gehe, kommt mir das Bild von – diesmal zwei – Drachen * . Es sind ein großer Drache und ein kleiner, sehr lebendiger und verspielter Drache. Ich bemerke Freude über die Lebendigkeit des kleinen Drachen. Und wie ich mich aus seinen neugierigen Augen und offenem Herzen dem großen Drache zuwende, fühle ich Traurigkeit und bekomme großes Mitgefühl. Er wirkt auf mich starr und leicht zusammengekrümmt. Ich sehe, dass er leidet. Ja, ein Teil in mir leidet, sogar sehr stark, und fühlt großen Schmerz.

    Jetzt fühle ich (mich) und verstehe.

    Tränen überströmen mich und ich folge meinem Impuls, den großen Drachen am Hals zu streicheln. Ich fahre mir mit meiner Hand sanft über den Hals. Ja, so ist es gerade für mich. Mein großer Drache und ich – alles verschwimmt und ist auf eigene Weise verbunden – genießen meine zärtliche Zuwendung und mein Streicheln. Nach einer Weile […] spüre ich ein Recken und lasse meinen Körper sich ganz natürlich bewegen. Dankbarkeit, Wärme und Weite beginnen sich breitzumachen. Auch der große Drache kommt in Bewegung und ihm kullert beim Blick auf den kleinen Drachen eine kleine Freudenträne über die Wange. Mit erleichtertem Seufzen bedankt er sich: „komm, lass uns Spielen gehen“

    * das Bild (m)eines Drachen war für mich in einer vorangehenden Sitzung ein Schlüsselelement und taucht seither ab und an mal auf

    So ist es rund für mich und ich lasse, was ich erlebe, so stehen und wirken. Ich merke die Erleichterung darüber, die Botschaft meines Teils in mir gehört, gefühlt, gespürt und gesehen, ja integriert zu haben. Irgendwie bin ich ganzer geworden. Das merke ich daran, dass mir die Energie, Kraft und Aufmerksamkeit, welche bisher für den Schmerz aufgebraucht wurden, mir nun frei zur Verfügung stehen. In besonders herausfordernden Situationen, wenn ich den mir vertrauten Schmerz anfange zu spüren, streichle ich mich am Hals – das wirkt, aufbauend auf diesem Prozesserlebnis. Ich streichle mich aber auch einfach so mal am Hals, wenn es gerade schön ist. In jedem Fall genieße ich es, mich zu spüren und gut in Kontakt mit mir zu sein. Im wahrsten Sinne des Wortes, wundervoll :)

    Teilen mit:
  • Die vier Elemente

    Die vier Elemente

    Es ist Freitagabend, Zeit für unser partnerschaftliches Focusing mit Maria Merk. Die Wandfarbe kann währenddessen in Ruhe trocknen, genau rechtzeitig fertig geworden.

    Wir beginnen mit lockerem Austausch, Ankommen, Freiraum schaffen und schauen dann was jetzt grade so da ist.

    Diesmal ist da mein Raum – den ich eben bemalt habe. Ich begebe mich innerlich in meinen Raum und freue mich riesig. Ich fühle mich stolz und vor allem sehr zufrieden darüber, wie ich zum ersten Mal einen Raum ganz bewusst so stimmig für mich gestaltet habe und was das mit mir macht. Im Schlafbereich finde ich beruhigendes Wasser, ein sanftes Blau als Grundton mit tiefblauen Wellen. Den Arbeitsbereich zieren feuerrote züngelnde Flammen, passend zu meiner Leidenschaft in mir. Bereits der Gedanke an mein ekstatisch-tänzerisches Malen mit dem Rot belebt mich innerlich und zaubert mir ein zufriedenes Schmunzeln. Auf der anderen Seite ist noch die Luft in weiß, unmittelbar anschließend an einen ockerfarbenen Berg, den ein farblich und inhaltlich passend ausgesuchtes Leinwandbild schmückt. Allein beim Anblick der Erde spüre ich, wie ich mich innerlich erde und diese ruhende Kraft genieße.
    Meine aufmerksame Zuhörerin frägt offen-interessiert: „wie schauts bei dir mit der Luft aus, von der hab Ich jetzt noch kaum was gehört?“ Ich halte inne. Tatsächlich, den Luftbereich habe ich mehr oder weniger unbewusst gestaltet – das was so in etwa übrig blieb.

    Wie ist das denn für mich, wie gehts mir da?

    Mir fällt direkt meine Tendenz ein, auch mein Leben vollzukleistern mit dies und das, was ab und an leicht mal zu zuviel des Guten führt. Ich merke, wie sich mein Atmen beengt anfühlt. Luft. Ja, ich möchte gerne mehr Luft, mehr Freiraum haben! Ich atme ein paarmal tief ein und wieder aus. Mir kommt der Gedanke, ein paar der züngelnden Flammen einfach zurück weiß zu übermalen. Irgendwie noch nicht ganz stimmig denn, aus der Feuerecke betrachtet gefällt es mir einfach klasse, so wies ist. Und doch, etwas ist mit der Luft. Ich möchte ihr, und mir, mehr Freiraum geben. Wir verweilen dabei noch ein wenig und lassen es so stehen.

    Für mich stellt sich heraus, dass ich meine weiteren Zimmerelemente bewusst mit dem Fokus auf Luft und Freiraum gestalte. Von nun an habe ich ein Stückchen mehr Luft mit mir – auf jeden Fall mal in meinem Zimmer und im aufgefrischten Bewusstsein meiner Aufmerksamkeit.

    Teilen mit:
  • Die richtigen Worte finden – Faszination Focusing

    Die richtigen Worte finden – Faszination Focusing

    Zusammenfassung aus einem Mini-Focusing mit mir selbst.
    Es ist Samstag, super viel zu erledigen und weiterkommen steht an. Soll ich…

    Was brauche ich denn gerade?

    Ein Ausflug in die Berge wäre super schön. Einer, ohne viel Aufwand was Anreise angeht. Nach kurzer Recherche lese ich von einem sehr nahegelegenen, mit Fahrrad erreichbaren größten Hügel der Region, sogar mit Aussichtsturm – perfekt! Ganz in Ruhe starte ich meine Tour. So grob die Richtung und Route im Kopf, folge ich meiner Intuition und sporadischer Beschilderung. Auf dem Weg erfrische ich mich spontan in einem einladenden Tümpel und komme nach einigen Höhenmetern just am Aussichtsturm an, als es anfängt zu regnen. Die Stufen oben angekommen schaffe ich noch, die Aussicht zu genießen, bevor mich und den Turm ein dunkelgraues Wolkenspiel umkesselt und es aus vollen Kübeln schüttet. Wie schön, im Turm oben im Trockenen auf mich Einprasseln lassen. Ich lege mich auf den Holzboden und wende mich meiner Entscheidung über meine Domain zu. Es ist etwas aufregend, da ich Focusing als eine meiner Leidenschaften empfinde und entschlossen bin sie zu leben. Die Haltung, hinter allem was (scheinbar) ist, den Mensch zu sehen, begeistert mich unwahrscheinlich. So beginne ich, innerlich Wörter abzuchecken: Praxis … Martin Bertele … Focusing mit Martin …

    Ich folge sehr genau, was daran jeweils stimmig ist, und was noch nicht ganz.

    Momentan bin ich weder Akademie, noch Zentrum, einfach ein Mensch … Was ist es denn, das Focusing für mich ? Es faszin… Faszination Focusing ! Ja, das ist es ! Faszination Focusing rufe ich laut aus. Das zündet dermaßen, dass ich wie von der Tarantel gestochen den Aussichtsturm hinunter flitze, grade so dass ich unten angekommen noch nachsehe ob ich denn alles mit habe. Beim Öffnen der Ausgangstür freue ich mich über das Nachlassen des Regens, die frisch gespült duftende Waldluft, das Aufziehen der Wolken und meine Lebendigkeit. Ein Geschenk des Himmels? Auch mit leichtem Nieseln fühlt sich der Nachhauseweg unglaublich kurz an. Mein nasses Gesicht strahlt in vollen Zügen und immer wieder gluckse ich mal leise oder auch lauthals, freudig entzückt.

    Von so vielen Sitzungen bin ich dermaßen verblüfft, was einfühlendes Verstehen, echte Präsenz, Wertschätzung und Aufrichtigkeit bewirken können, und zwar sowohl bei mir als auch bei meinem Gegenüber. In kurzer Zeit so tief zu kommen, auf eine Weise die es so leicht macht und sich zur Krönung gleichzeitig so ganz natürlich anfühlt: das fasziniert mich an Focusing.

    Teilen mit: