Der Friede sei mit dir

two hands reaching a green seedling with soil

Zusammenfassung aus einer Focusing Sitzung, bei der mich meine Kollegin Maria Merk in meiner Rolle als Klient begleitet hat.

Ich merke in mir eine diffuse Anspannung oder Aufgeregtheit.

Der Auslöser ist etwas sehr Schönes, Neues in meinem Leben.

Es ist aufregend, irgendwie möchte alles in mir hüpfen. Ich erinnere mich an die Qualität aus einem Archetypen-Playfight*, bei dem ich sowohl fröhliche Überschwänglichkeit ohne Gefühl für das Außen, als auch deren ausgereifte Version im Königssein verkörpern durfte. Die Überfröhlichkeit finde ich gerade in meinem Herzen wieder, etwas ganz verspieltes, freudiges. Die Königsenergie spüre ich in meinem Wurzelchakra, das sich extrem stabil, geerdet und sicher anfühlt. Und doch, zugleich verkrampft sich etwas; als wäre mein Körper am Unterleib abgeschnitten. Irgendetwas hat enormen Druck und ein zwanghaftes Müssen.

Meine Begleiterin und ich wenden uns den Teilen nacheinander zu.

Beiden für sich geht es sehr gut. Wenn ich die beiden Teile so gegenüberstelle, erkläre ich, wie sie beide voneinander lernen und dadurch wachsen können. „Das war jetzt ein schöner Vortrag“. Stimmt, irgendetwas fehlt. Die Kommunikation zwischen den beiden passt nicht. Ich bemerke eine Traurigkeit. Darüber, wie separat meine Lebendigkeit und meine Verwurzelung in meinem eigenen Körper, meiner Körperlichkeit, meiner Sexualität, voneinander aufgewachsen sind. Wie alleine und irgendwo auch hilflos mein Kind ins Erwachsensein geschlittert ist; dabei, zu lernen, mit sich in Kontakt zu sein, in einen für mich und andere gesunden Bezug und Umgang zu meinem ganzen Körper liebevoll statt tabuvoll hineinzuerwach(s)en.

Heute erkenne ich, was mir gut tut und was ich brauche.

Irgendwas beruhigt sich gerade, weitet sich aus. Ich setze meine Traurigkeit, meine Körperlichkeit und meine Verspieltheit zueinander. In der Mitte streckt die Traurigkeit ihre Arme zu beiden Seiten aus und stellt so eine Verbindung her, die ich wahnsinnig stark spüren kann. Vom Schoß über meinen Bauch zum Herz fühle ich in meiner Körpermitte einen offenen, weiten und warmen Kanal. Ich finde mich am Altar der Stadtpfarrkirche meiner Geburtsstadt, Mariä Himmelfahrt**, wieder. „Da fließt was?“ Ja, wir sehen einander, als erfüllt sich eine Sehnsucht nach Austausch und Empathie füreinander. Der Friede sei mit Dir. Sagt die Traurigkeit zu meinen beiden Teilen und irgendwie zugleich zu meinem ganzen Ich. Der Friede sei mit Dir. Sagen sich meine beiden Seiten und irgendwie auch mein ganzes Ich. Jetzt kann ich meinen eigenen Friedensgruß für mich lange und ausführlich genießen***. Mit einer tiefen inneren Verneigung voreinander bedanken wir – meine Traurigkeit, meine Körperlichkeit, meine Verspieltheit und Ich, alles ist irgendwie eins – uns für meinen hinzugewonnenen inneren Platz des Friedens, der Weite und der Fülle, an dem ich zu jeder Zeit für neue Begegnungen mit mir Selbst willkommen bin.

*Playfight ist ein sehr achtsames und spielerisches Duell, bei dem für Erkenntnisgewinn gezielt bestimmte Rollen eingesetzt werden können. Am Ende wird gemeinsam reflektiert.
** Kirche steht in meiner Entwicklung sinnbildlich für die familiär als auch gesellschaftlich geprägte Abwertung und Tabuisierung von Sexualität bzw. Körperlichkeit allgemein
*** Der Friedensgruß war für mich in Gottesdiensten mitunter der schönste Moment und ging mir meistens zu schnell. Für mich ist es ein Geschenk, Menschen tief in die Augen zu sehen, die Hand zu reichen und für einen Augenblick so etwas unendlich Großes zu teilen. Namasté.

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